Apothekenlabore mit B- und C-Reinräumen

Zytostatika-Herstellung in der Apotheke

Schutzmaßnahmen für Mensch und Produkt bei der Herstellung von Parenteralia (z.B. CMR-Arzneimitteln) in der Apotheke.

Mit der Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) wurden die Anforderungen an das Apothekenlabor von heute nochmals verschärft. Ob zur patientenindividuellen Herstellung von Zytostatika oder im TPN-/TPE-Bereich: die Herstellung muss in einem Raum der GMP-Reinheitsklasse A stattfinden. Je nach Art der Räumlichkeiten und den Anforderungen des Kunden kommen dabei Sicherheitswerkbänke oder Isolatoren zum Einsatz.

Zytostatikaherstellung in einer BERNER Sicherheitswerkbank

Labore der Reinraum-Klassen B und C:

Der Einsatz von Sicherheitswerkbänken ist gemäß ApBtrO für Räumlichkeiten der GMP-Reinraumklassen B oder - beim validierten Nachweis der Arzneimittelqualität - für Reinräume der Klasse C vorgesehen. Für den Bereich der Zytostatika-Herstellung kommen in diesem Bereich heute fast ausschließlich typgeprüfte und gemäß DIN 12980 und EN 12469 zertifizierte Systeme in Betracht. Zytostatika-Sicherheitswerkbänke verfügen über 3 HEPA-Filterstufen mit einem Abscheidegrad von jeweils 99,995%. Das patentierte Patronenfiltersystem von Berner International bietet darüber hinaus einen kontaminationsarmen Filterwechsel und spart im Rahmen eines zeitgemäßen Abfallmanagements eine aufwendige Zerkleinerung der Filter. Die Entsorgung der verschmutzten Filterpatronen kann dann über Standard – Abfalltonnen für Zytostatika-Abfälle erfolgen.

Bei der TPN/TPE Herstellung (Parenterale Ernährung) können je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung auch mikrobiologische Sicherheitswerkbänke mit 3-Filtersystemen oder auch 2-Filtersystemen eingesetzt werden. 

Alle Sicherheitswerkbänke können mit festen oder mobilen Partikelzählern ausgerüstet werden. Sicherheitswerkbank Berner ClaireBei Sicherheitswerkbänken der Baureihe „Berner Claire“ lassen sich auf Wunsch die Messdaten zeitnah direkt über das große Touch-Display ausgeben. Auch Sonderlösungen wie zahlreiche Schnittstellen, ein integrierter Monitor, spezielle GMP-Cover usw. sind möglich. 

Persönliche Schutzausrüstung in Reinräumen der Klassen B und C:

Der Betreiber ist gesetzlich verpflichtet, zunächst eine Gefährdungsbeurteilung für die einzelnen Arbeitsabläufe in Labor durchführen.

Dieser Prozess ist das zentrale Element des betrieblichen Arbeitsschutzes und bildet eine wesentliche Grundlage für die Ableitung zielgerichteter Arbeitsschutzmaßnahmen. In Zytostatika-Laboren ist zu berücksichtigen, dass die gehandhabten Wirkstoffe bereits in sehr geringen Mengen toxisch wirken können. Aufgrund der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter deshalb geeignete PSA zur Verfügung stellen. Der Arbeitnehmer wiederum ist verpflichtet, diese beim Umgang mit den Substanzen zu verwenden. Nähere Informationen und Empfehlungen finden Sie auf der Internetseite der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Geeignete Persönliche Schutzausrüstung:

Schutzhandschuhe:

Gemäß der EU-Richtlinie 89/686/EWG darf für den Umgang mit Zytostatika nur Persönliche Schutzausrüstung (PSA) der höchsten Kategorie III eingesetzt werden. Schutzhandschuhe stellen die wichtigsten Komponente einer geeigneten PSA für den Umgang mit Zytostatika dar. Sie verhindern den direkten Kontakt mit der toxischen Substanz sowie mit kontaminierten Vials, Infusionsbeuteln, Entnahmekanülen und Spritzen.

Schutzhandschuhe vs. Medizinische Handschuhe:

Schutzhandschuhe haben CE-Zeichen mit 4-stelliger Nummer Schutzhandschuhe müssen innerhalb der EU grundsätzlich nach den Normen EN 420, EN 388 und EN 374 (in Deutschland werden EN-Normen als DIN EN bezeichnet) geprüft werden. Für den Umgang mit Zytostatika sollten Chemikalien-Schutzhandschuhe mit entsprechenden Prüfungen gegen Zytostatika ausgewählt werden.

Im Gegensatz zu medizinischen und OP-Handschuhen (geprüft nach EN 455) müssen die Ergebnisse durch eine externe Zertifizierungsstelle (notified body) zusätzlich bestätigt werden. Dies erkennt man an einer 4-stelligen Nummer, die an das Konformitäts-Zeichen (CE-Symbol) angehängt wird (siehe Beispiel).

Als Handschuhmaterial bieten sich heutzutage im Bereich der Zytostatikaherstellung Schutzhandschuhe aus Latex, Neopren oder Nitril an. Jedes Material verfügt über individuelle Vorteile, die je nach Arbeitsweise und persönlichem Empfinden zum Tragen kommen.

Penetration und Permeation:

Die beiden ähnlich klingenden Begriffe stehen für Vorgänge, bei denen biologischen Arbeitsstoffe und/oder Chemikalien die "Schutzschicht" des Handschuhs durchdringen. Penetration beschreibt die Durchdringung einer Substanz durch Mikrolöcher, die Permeation hingegen die Durchdringung von intaktem Schutzmaterial auf molekularer Ebene. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite Fachwissen: Persönliche Schutzausrüstung Teil 1.

Die Wahl eines sterilen Bekleidungsystems unterliegt heute unterschiedlichen Anforderungen aus den Bereichen Produkt- und Personenschutz: Beim Produktschutz steht die mikrobielle und partikuläre Reinheit der gehandhabten Materialien im Vordergrund (aseptische Herstellung). Um die Einhaltung der geforderten Reinraumklasse zu garantieren, wird daher meist Mehrweg-Reinraumbekleidung empfohlen. Der Reinraumeignung steht ein häufig jedoch ein unzureichender Personenschutz vor toxischen Substanzen gegenüber.

Beim Umgang mit Gefahrstoffen wie z.B. CMR-Arzneimitteln muss gemäß der europäischen Richtlinie 89/686/EWG aus Gründen des Mitarbeiterschutzes „Persönliche Schutzausrüstung der höchsten Kategorie III“ getragen werden. Der entsprechende Personenschutz wird normalerweise durch spezielle Einwegbekleidung realisiert. Diese kann je nach Labor und Bekleidungssystem Schutzoveralls, Schutzkitteln, Schutzarmstulpen und Schutzstiefeln (also Boots aus Schutzmaterial) umfassen. Selbstverständlich muss auch diese Schutzkleidung durch eine Zertifizierungsstelle (notified body) geprüft und zertifiziert worden sein.

Hilfsmittel für die Arbeit in Reinräumen der Klassen B und C:

Arbeitsunterlagen

Für die tägliche Arbeit empfiehlt sich der Einsatz von sterilen BERNER Labor Arbeitsunterlagen für ZytostatikaZytostatika Arbeitsunterlagen. Diese bestehen aus einer flüssigkeitsabsorbierenden Oberfläche und eine undurchlässigen, rutschfesten Unterseite. Die Unterlagen sollten regelmäßig,  z.B. beim Wechsel des Wirkstoffs getauscht werden.

So ersparen Sie sich viel Reinigungs- und Desinfektionsaufwand. Eine Verwendung der Arbeitsunterlagen in Transportboxen und Transportbehältern ist ebenfalls möglich.

Entnahmekanülen/ChemoSpikes

Der Einsatz von Mehrfach-Entnahmekanülen ist beim Umgang mit CMR-Arzneimitteln dringend angeraten. Neue Modelle, wie z. B. die BERNER UltraSpike-Serie bieten durch ein spezielles Ventil ein Plus an Sicherheit. Das Ventil öffnet und schließt automatisch beim Konnektieren/Diskonnektieren der Spritze und vermeidet die übliche Punktbildung beim Entfernen der Spritze. Für dickflüssige Substanzen und monoklonale Antikörper sind Spikes ohne Flüssigkeitsfilter zu empfehlen.

BERNER UltraSpike Entnahmekanüle - Funktionsweise Reinigung und Desinfektion

 

Generell ist bei der Arbeit mit CMR-Arzneimitteln zwischen den Arbeitsschritten „Reinigung“ und „Desinfektion“ zu unterscheiden. Speziell bei der wöchentlichen Grundreinigung sowie beim Beseitigen von Flächenkontaminationen ist ein 2-stufiges Reinigungssystem mit einem stark alkalischen Reiniger (z.B. Natronlauge, 0,1 M) und einem Alkohol (z.B. IPA, 70%) zu empfehlen. Dieses Verfahren wurde im Rahmen umfangreicher Untersuchungen durch das Institut für Energie- und Umwelttechnik (IUTA) e.V. entwickelt und wird auch im aktuellen QuapoS empfohlen. Mit BERNER Reinigungstüchern ISYSOFT kann ein Reinigungsgrad von bis zu 99,95% erreicht werden.

Bei der anschließenden Desinfektion sollte ein Mittel zur Anwendung kommen, das neben der desinfizierenden Wirkung selbst bei unsachgemäßer Anwendung die verschiedenen Oberflächen (z.B. in der Sicherheits-werkbank) nicht angreift oder verfärbt. Entsprechende Nachweise erhalten Sie beim Hersteller der Desinfektionsmittel.

Notfallsets - Spillkits

Um auf Notfälle in Form von verschütteten Zytostatika -lösungen und -pulver vorbereitet zu sein, sollten Spillkits vorgehalten werden. Der Lagerort der Spillkits richtet sich dabei nach den Arbeitsorten. Neben dem Zubereitungsraum sollten auch im Zwischenlager, in der Warenannahme, auf onkologischen Stationen sowie in onkologische Praxen und - nicht zu vergessen - in Transportfahrzeugen für Zytostatika (PKW) geeignete Spillkits vorhanden sein.

Übrigens: Das baumustergeprüfte BERNER Spillkit XP wird von der DGOP und der ESOP empfohlen.  

Das Personal in den genannten Bereichen sollte einmal pro JahrBERNER Spillkit Poster im praktischen Umgang mit Spillkits geschult werden. Neben Inhouse-Schulungen bieten vor allem spezielle Zytostatika-Fortbildungen wie das BERNER Praxisseminar Sicherheitstraining Zytostatika eine hervorragende Möglichkeit, das Verhalten in Unfallsituationen zu trainieren.

Um im Notfall keine wichtigen Punkte zu vergessen, hat Berner International ein Spillkit-Poster entwickelt. Es führt in leicht verständlicher Form die wichtigsten Notfallmaßnahmen auf, ist reinraumgeeignet und kann deshalb in den oben genannten Arbeitsbereichen angebracht werden.

Das Spillkit-Poster für den Reinraum im A2-Format kann kostenlos angefordert werden.

Zytostatika-Wischproben

Erst die Kontrolle der eigenen Arbeitsweise schärft das Bewusstsein für Fehler.

Werden die Reinigungsprozesse entsprechend den Vorgaben umgesetzt? Berner International bietet hier ein Zytostatika-Wischprobenset an. Mit dem Set können auf einfache Weise Verschleppungen im Labor oder auch Fehler bei der Reinigung nachgewiesen werden. Die Proben werden kostengünstig durch das eigene Personal genommen. Nach der Analyse im Fachlabor der IUTA erhält der Anwender eine detaillierte Übersicht über die Zytostatika-Belastung von Arbeitsoberflächen. Neben der Analyse von Einzelsubstanzen sind auch kostengünstige Multimethoden möglich. Das Verfahren basiert auf der von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) veranlassten MEWIP-Studie

 

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