Arbeitsschutz für die Veterinärmedizin

Interview Tierärztezeitung: Schutz ist unsere Mission

Interview Tierärztezeitung: Schutz ist unsere Mission

Interview mit Thomas Hinrichs, geschäftsführender Gesellschafter von Berner International zum Thema Arbeitsschutz im Veterinärbereich

Interview Tierärztezeitung

„Schutz ist unsere Mission" - Arbeitsschutz in der Tiermedizin

Interview: Masiar Sabok Sir von der tierärztezeitung mit Thomas Hinrichs

Berner International forscht, entwickelt, produziert und vertreibt die besten Produkte und Dienstleistungen
für den Personen- und Produktschutz. Dass dies auch in der Veterinärmedizin von großer Bedeutung ist, erläutert der Geschäftsführende Gesellschafter Thomas Hinrichs im Gespräch mit der tierärztezeitung und
zeigt auf, welche Produkte für die Praxis und Klinik wichtig sind und wie sich der Tierarzt auf diesem Gebiet weiterbilden kann.

Herr Hinrichs, Berner International steht seit mehr als 30 Jahren für hochwertige Schutzsysteme in pharmazeutischen und biotechnologischen Bereichen. Wie kommen Sie nun zur Veterinärmedizin?

Unser Kernmarkt ist überall dort, wo Menschen mit Zytostatika umgehen. In der Humanmedizin sind wir schon seit Jahrzehnten aktiv. Als aufstrebendes und expandierendes Unternehmen sind wir natürlich ständig auf der Suche nach neuen Märkten und so sind wir auch auf den Bereich der Veterinärmedizin gestoßen, denn auch für diesen Bereich bieten wir passende und bewerte Produkte an. In Gesprächen mit veterinärmedizinischen Kunden, u.a. auch Tierärzten, wurde uns bestätigt, dass es hier Handlungs- und Wissensdefizite sowie Optimierungspotenziale existieren. Und es gibt in diesem Bereich auch Bewegung.
So wurde z.B. seit der Version 2015 die Technische Regel für Gefahrenstoffe 525 (TRGS 525) an die Regelungen der Gefahrenstoffverordnung angepasst und unter anderem auf den Bereich der veterinärmedizinischen Versorgung erweitert. Tierärzte, die mit Zytostatika arbeiten, müssen gewisse Schutzmaßnahmen ergreifen. Hier lohnt ein Blick in die Broschüre „Zytostatika im Gesundheitsdienst (M620)“ der BGW. Herr Klein beschreibt die wichtigsten Punkte sehr gut in dem Artikel in dieser Ausgabe.

Welche Produkte haben Sie in Ihrem Portfolio, die sich zur Anwendung für Tierärzte eignen und was zeichnet diese Produkte aus? 

Für den Veterinärmarkt besonders geeignet ist die kompakt dimensionierte Sicherheitswerkbank für die sichere Handhabung toxischer und/oder empfindlicher Produkte. Des Weiteren bieten wir eine große Bandbreite von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und ausgewählten Hilfsmitteln für die Arbeit im Labor. Dazu zählen u.a. Schutzhandschuhe, Arbeitsunterlagen, Entnahmekanülen, Schutzkleidung, wie z.B. Armstulpen, SpillKit‘s etc. Die Produkte zeichnen sich durch unabhängige Baumusterprüfungen und Zertifizierungen aus. Die umfassenden Permeationsprüfungen gehen weit über den marktüblichen Standard hinaus. So wurde z.B. unser Nitril-Schutzhandschuh „Manu N“ mit insgesamt 15 der gängigsten Zytostatika permeationsgeprüft. Desweiteren entwickeln und optimieren wir unsere Produkte ständig weiter. Unter anderem über durch den Bund geförderte Forschungsprojekte in Kooperation mit Instituten und anderen Forschungseinrichtungen.

Benötigen die Tierärzte dafür eine spezielle Schulung? Und wenn ja, wird dies durch Berner durchgeführt?

Seit über 20 Jahren schulen wir pharmazeutisches Personal im humanmedizinischen Bereich im Umgang mit Gefahrenstoffen in unserem Praxisseminar „Sicherheitstraining Zytostatika“. Dabei zeigt sich immer wieder, dass es für viele Arbeitgeber schwierig ist, das komplexe und sich ständig ändernde Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten und den Mitarbeitern zu vermitteln. Hier können wir speziell Tierärzte und tiermedizinischen Fachangestellte mit dem Praxisseminar „Onkologie – innovative Ansätze und Arbeitsschutz“ unterstützen. Der praxisnahe Ansatz „learning by showing or doing“ ist bei dieser Kombination aus Theorie und Praxis das Ziel. 

Ist das Thema Arbeitssicherheit Ihrer Meinung nach ausreichend in den Köpfen der Tierärzte verankert oder
besteht hier Aufklärungsbedarf?


Jedem Arbeitgeber sollte bewusst sein, dass er die rechtlichen Vorgaben zum Schutz seiner Arbeitnehmer erfüllen muss. Dieses gilt sowohl für einen „normalen“ Schreibtischarbeitsplatz als auch für das Arbeiten mit Gefahrenstoffen. Hierzu muss der Arbeitgeber für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und daraus die notwendigen Maßnahmen ableiten und ausführen. Verstöße, z.B. das nicht zur Verfügung stellen von notwendiger und geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) werden streng und direkt bestraft. Hier steht der Arbeitgeber in erster Reihe. Sicherlich ist es im Rahmen des täglichen  Praxisgeschäftes schwer, sich einen fundierten Überblick über die möglichen Maßnahmen bzw. Produkte zu verschaffen; von der grundsätzlichen Verpflichtung entbindet dieses allerdings nicht. Und hier sehen wir eindeutig unsere Position: Wir verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich PSA für den Umgang mit Zytostatika. Wir haben über die passenden Produkte und das notwendige Hintergrundwissen. Die entsprechende Beratung ist unser tägliches Brot und wir nehmen diese Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung sehr ernst.

2016 haben Sie in Hamburg zwei Workshops für Tierärzte zum Thema „Fortbildung Onkologie – Innovative
Ansätze und Arbeitsschutz“ durchgeführt. Mit welcher Zielsetzung haben Sie das begonnen, wie waren
Ihre Eindrücke und was sind Ihre Pläne für dieses Jahr?

Zunächst können wir festhalten, dass die Teilnehmerzahlen, bezogen auf unsere neue Seminarreihe, als positiv zu bewerten sind. Uns ist aber durchaus bewusst, dass sich der Nutzen für die Teilnehmer erst verbreiten muss, insofern sehen wir hier aber noch ein Verbesserungspotenzial. Als Resümee für
uns werden wir bei den zukünftigen Veranstaltungen den Praxisteil deutlich ausbauen, d.h. wir möchten hier
in Arbeitsgruppen bzw. Workshops die praktischen Bereiche des Themas vermitteln.

Folgende Beispiele möchte ich hier anführen:

- Wie gehen wir mit einer Verschüttung von Zytostatika um, d.h. wir trainieren die richtige Anwendung von SpillKits.

- Wie wird richtig mit einer Entnahmekanüle gearbeitet?

- Mit welchen Hilfsmitteln kann ich Kontaminationen vermeiden und aufwendige Dekontaminationsarbeiten
reduzieren?

- Mit welchen Reinigungsmitteln lassen sich ZytostatikaKontaminationen wieder entfernen?

Gleichzeitig legen wir aber auch weiterhin Wert auf die Vermittlung z.B. der rechtlichen Vorgaben bei PSA, denn hier muss der Arbeitgeber die richtige Entscheidung treffen. Insgesamt denken wir, dass eine Kombination aus einem theoretischen Teil, praktischen Übungen und bereichsübergreifenden Fachvorträgen
für jeden Teilnehmer die richtige Wahl ist. Wissen Sie, wer glaubt, in dieses Geschäft mit einer hohen Umsatzerwartung einsteigen zu können und das mit wenig Zeitaufwand, der irrt sich. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man hier mit deutlich längeren Zeitfenstern und einem erhöhten Arbeitseinsatz rechnen muss, bevor man über wirtschaftliche Erfolge nachdenken kann. Der Bereich der PSA ist kein schnelles Geschäft und fordert Beratungskompetenz der entsprechenden Fachfirmen. Schutz ist unsere Mission.

Herr Hinrichs, vielen Dank für das Gespräch.
 

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