Persönliche Schutzausrüstung - PSA

Fachwissen Schutzhandschuhe: Schutzhandschuh vs. Medizinischer Handschuh

Fachwissen Schutzhandschuhe: Schutzhandschuh vs. Medizinischer Handschuh

Warum medizinische Handschuhe keine Schutzhandschuhe sind. Wo liegen die Unterschiede bei den einzelnen Handschuhen? Wie kann man Schutzhandschuhe der PSA Kategorie III erkennen?

Fachwissen: Schutzhandschuhe

Schutzhandschuh vs. Medizinischer Handschuh

Laut der bekannten MEWIP-Studie benutzen 35% der Anwender bei der Zytostatika-Zubereitung sogenannte medizinische Handschuhe. Medizinische Handschuhe gemäß DIN EN 455 sind normalerweise für die Zubereitung von CMR-Arzneimitteln ungeeignet, und bilden eine Gefahrenquelle für den entsprechenden Mitarbeiter.
 

Wie unterscheiden sich diese Handschuhe nun von Schutzhandschuhen?

Medizinische Handschuhe dienen in erster Linie der Hygiene und der Vermeidung von Infektionen in der Arzt-Patienten-Beziehung. Diese Art der Einweghandschuhe werden gemäß der DIN EN Norm 455 (Medizinische Handschuhe zum einmaligen Gebrauch) geprüft. Dazu gehören eine Prüfung auf Dichtigkeit, eine Prüfung der Physikalischen Eigenschaften, eine biologische Bewertung der Handschuhe (Proteingehalt, Endotoxingehalt, ...) und Anforderungen zur Mindesthaltbarkeit.
Chemikalienschutzhandschuhe hingegen dienen nur einem Ziel, dem Schutz des Anwenders.


Chemikalienschutzhandschuhe Fachwissen

Grundlagen zur Prüfung von Schutzhandschuhen:

Schutzhandschuhe müssen zunächst den allgemeinen Anforderungen der DIN EN 420 (Schutzhandschuhe) entsprechen. Diese Norm beschreibt die Anforderungen an alle Arten von Schutzhandschuhen (also auch z.B. Schutzhandschuhe für Waldarbeiter), und umfasst die Unschädlichkeit der Schutzhandschuhe, Mindestgrößen (je nach Handschuhgröße), verschiedenen Leistungsstufen für die Fingerfertigkeit, sowie die Kennzeichnungspflicht für Spenderkartons und dem Aufdruck auf jedem einzelnen Schutzhandschuh. Der detaillierte Aufdruck ist vorgeschrieben, um eventuellen Verwechslungen vorzubeugen.

Penetrationsprüfung für Schutzhandschuhe

Zytostatika-Schutzhandschuhe müssen weiterhin der Norm DIN EN 374 Teil 1-3 (Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen) entsprechen. Bei der Penetrationsprüfung im Teil 2 wird der Handschuh mittel Luft- oder Wassertest auf Mikrolöcher hin untersucht. Das Ergebnis dieses Tests spiegelt sich in einem AQL-Wert wieder (AQL = Acceptable Quality Level). Eine vorgegebene Grenze spiegelt dabei die Mindestanforderung an die Qualität wider. Generell gilt beim AQL, je kleiner der Wert, desto besser ist die Qualität des Handschuhs. Jedoch dürfen hier die Werte des Wassertests nicht mit den Ergebnissen des Lufttests verglichen werden, da die Verfahren zu unterschiedlich sind.

Permeationsprüfung für Schutzhandschuhe

Bei der Permeationsprüfung (Durchdringung von Chemikalien auf molekularer Ebene) gemäß DIN EN 374-3 wird die Zeit gemessen, bis eine genau festgelegte Kleinstmenge einer Chemikalie das Handschuhmaterial durchdrungen hat. Zum Test muss der Handschuh bei mindestens 3 vorgegebenen Testchemikalien (aus einer Liste von 12) eine Permeationszeit von >30 Minuten (Schutzklasse 2) erreichen. Nur wenn dieser Test erfolgreich absolviert wurde, erhält der Schutzhandschuh das wichtige Symbol mit dem Erlenmeierkolben und darf sich Chemikalien-Schutzhandschuh nennen. Die 3 Buchstaben unter dem Symbol geben dabei die Testchemikalien an. Schafft der Handschuh diesen Test nicht, erhält er das Symbol mit dem Becherglas. Dieses Piktogramm zeichnet ein Produkt als "wasserfesten Schutzhandschuh mit geringem Schutz gegen chemische Gefahren" aus. Für den Einsatz im Bereich der Zytostatika-Herstellung sind diese Schutzhandschuhe normalerweise nicht geeignet.

Mechanische Risikien

Weiterhin werden Schutzhandschuhe gemäß der DIN EN 388 (Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken) noch auf Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißkraft und Durchstichkraft geprüft. Erst wenn alle diese Prüfungen erfolgreich bestanden wurden, darf sich der Handschuh "Schutzhandschuh gegen Chemikalien und Mikroorganismen" nennen.

Schutzhandschuhe und Persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III

Bei Schutzhandschuhen, die als Teil einer "Persönlichen Schutzausrüstung der Kategorie III" verkauft werden, sind alle Prüfungen, Dokumentationen und das Produkt selbst noch einmal durch eine offizielle Zertifizierungsstelle (im internationalen Sprachgebrauch als "Notified Body" bekannt) in einer Baumusterprüfung zu prüfen. Weiterhin muss das produzierende Unternehmen ein QM-System (überwacht gemäß Artikel 11B der PSA-Richtlinie) besitzen oder eine kontinuirliche Qualitätssicherung für das Endprodukt gemäß Artikel 11A der PSA-Richtlinie mit entsprechenden Kontrollen nachweisen. Erst wenn diese letzte Prüfung ebenfalls erfolgreich bestanden wurde, erhält der Schutzhandschuh das Zertifikat als Teil einer "Persönlichen Schutzausrüstung der Kategorie III" - dem höchsten Standard für Ihre persönliche Sicherheit.   

PSA der Kategorien II und III erkennen Sie übrigens am CE-Zeichen mit einer vierstelligen Zahl. Die Zahl gibt dabei die Zertifizierungsstelle an. Aber Vorsicht: Der Begriff PSA (oder im englischen PPE) muss ebenfalls auf der Verpackung stehen, denn es gibt auch Medizinprodukte mit einer vierstelligen Zahl unter dem CE-Kennzeichen.    

Bilder

  • Schutzhandschuhe Fachwissen
  • Schutzhandschuhe und EN-Normen
_gaq.push(['_setPageGroup', 2, 'Schutzhandschuhe']);