Persönliche Schutzausrüstung - PSA

Leitfaden Filterauswahl für Atemschutz Vollmasken

Hier geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Faktoren, die beachtet werden müssen wenn Sie ein Filtergerät auswählen. Diese Informationen helfen Ihnen, sich gegen Gesundheitsrisiken durch Schadstoffe in der Umgebungsluft wirkungsvoll zu schützen. 
 

1. Was muss ich beachten, wenn ich ein Filtergerät auswähle?

Beschaffenheit und Konzentration der Gefahrstoffe sowie die Arbeitsbedingungen am Einsatzort müssen bekannt sein. Danach ist der notwendige Schutzfaktor des Filtergerätes zu bestimmten. Filter und Maske werden als Einheit angesehen. Bitte beachten Sie vor der Nutzung grundsätzlich die Gebrauchsanweisungen der Geräte.

2. Prüfung folgender Punkte zu Ihren Einsatzbedingungen:

  • Ist ausreichend Sauerstoff in der Umgebungsluft vorhanden? (Bitte lokale Vorschriften beachten - in Deutschland sind mindestens 17 Vol. % vorgeschrieben.)
  • Welche Schadstoffe gibt es in der Umgebungsluft?
  • Wie hoch sind deren Konzentrationen?
  • In welcher Form liegen die Schadstoffe vor: gasförmig, partikelförmig oder als Gemisch von beiden?
  • Haben die Schadstoffe geeignete Warneigenschaften, z. B. Geruch oder Geschmack?
  • Wo liegen die gültigen Grenzwerte (international OEL), z. B. AGW für Deutschland?
  • Sind zusätzlich zum Atemschutz weitere Schutzausrüstungen erforderlich, z. B. Augen- oder Gehörschutz?

3. Welches Filtergerät benötige ich?

Nach Beantwortung aller o. g. Fragen ist der notwendige Schutzfaktor zu bestimmen.
Tabelle 1 zeigt Ihnen die nominellen Schutzfaktoren (NPF) und die Faktoren für die maximale Einsatzkonzentration der einzelnen Filtergeräte. Der NPF wird abgeleitet von der höchst zulässigen Leckage des jeweiligen Gerätes gemäß den Anforderungen aus deren Europäischer Norm. Er gibt die mathematisch ermittelte maximale Schutzleistung eines Atemschutzgerätes an.

Der Faktor für maximale Einsatzkonzentration ist die Praxisempfehlung in der BGR 190, abgeleitet (mit einem Sicherheitsabschlag) vom NPF. Diese Werte gelten für Deutschland. Zur Bestimmung des minimal notwendigen Schutzfaktors benötigen Sie die Konzentration und den Grenzwert des Schadstoffes. Ein Grenzwert (wie AGW) ist die Konzentration einer luftgetragenen Substanz in der Umgebungsatmosphäre, gemittelt über eine Referenzperiode, in der keine Beeinträchtigung der Gesundheit entsteht, wenn man dieser Substanz in dieser Konzentration täglich ausgesetzt ist.

 

Tabelle 1: Liste der Atemschutzgeräte

Partikelfiltrierende Geräte      
Gerät Bezeichnung Nom. Schutzfaktor1) Faktor für max. Einsatzkonzentration
Filtrierende Halbmaske FFP1 4 4
FFP2 12 10
FFP3 50 30
Viertel- oder Halbmaske mit Filter P1 4 4
P2 12 10
P3 48 30
Vollmaske mit Filter P1 5 4
P2 16 15
P3 1000 400
Gebläsefiltergerät mit Helm oder Haube TH1P 10 5
TH2P 50 20
TH3P 500 100
Gebläsefiltergerät mit Viertel-/Halb- oder Vollmaske (Gerät eingeschaltet) TH1P 20 10
TH2P 200 100
TH3P 2000 500
Gasfiltrierende Geräte
Viertel- oder Halbmaske mit Filter 50 30
Vollmaske mit Filter 2000 400

1) Bitte beachten Sie, dass die Leistung, die durch den nominellen Schutzfaktor angegeben ist, nur bei richtiger Anwendung und Wartung des Atemschutzgerätes unter Beachtung der Gebrauchsanweisung erreicht werden kann. Die Größe muss passend für Ihr Gesicht sein, und das Gerät darf nur auf glatt rasierten Gesichtern getragen werden, da sonst Leckagen im Dichtlinienbereich entstehen können. Die Werte wurden der EN529:2005 entnommen. Andere nationale oder lokale Richtlinien müssen beachtet werden.

 

Beispiel: Bestimmung des benötigten Schutzfaktors
Schadstoff: Bleistaub (Partikelschutz nötig)
Konzentration am Arbeitsplatz: 3 mg/m3
Grenzwert: 0,1 mg/m3
Benötigter Schutzfaktor =
Schadstoffkonzentration = 3 =30
Grenzwert 0,1

Sie sehen aus Tabelle 1, dass für diese Anwendung bei einem minimal benötigten Schutzfaktor von 30 (Bleistaub) ein P3-Filter eingesetzt werden muss, zusammen mit einer Halbmaske, Vollmaske oder einem Gebläsefiltergerät. 

Für den Fall, dass der Schadstoff gas- und partikelförmig vorliegt, wird der nominelle Schutzfaktor für beide Formen getrennt berechnet. Zur Auswahl des Filtergerätes wird der höhere Schutzfaktor zu Grunde gelegt. Die Konzentration von Gasen wird in ppm (parts per million = Volumen der Substanz innerhalb 1m³ Umgebungsluft) oder in mg/m³ (= Gewicht einer Substanz innerhalb 1m³ Umgebungsluft) gemessen und die Konzentration von Partikeln (Stäube) nur in mg/m³. Da mg/m³ eine Gewichtsangabe ist und ppm eine Volumenangabe, gibt es keine direkte Umrechnung für
mg/m³ zu ppm. Höhere Konzentrationen werden oft in % pro Volumen angegeben, 10.000 ppm = 1 Vol.%.
 

4. Bis zu welcher Schadstoffkonzentration darf das Filtergerät eingesetzt werden?


Sie können die maximal erlaubte Schadstoffkonzentration bestimmen, indem Sie den Faktor für die max.
Einsatzkonzentration mit dem Grenzwert (AGW) des Schadstoffes multiplizieren

 

Max. Schadstoffkonzentration = Faktor max. Einsatzkonzentration x Grenzwert

Beispiel: Bestimmung der maximalen Schadstoffkonzentration2)

Schadstoff: Chlordioxid
Grenzwert (AGW): 0,1 ppm
Atemschutz: Vollmaske mit Kombinationsfilter B P2

Faktor x Grenzwert = Maximale Schadstoffkonzentration

Faktor für max. Einsatzkonzentration einer Vollmaske mit Gasfilter: 400
400         x 0,1            = 40 ppm Chlordioxid
Faktor für max. Einsatzkonzentration einer Vollmaske mit Partikelfilter P2: 15
15           x 0,1            = 1,5 ppm Chlordioxid


2) Bei Einsatz eines Kombinationsfilters (wie in diesem Fall) werden zwei Werte für die maximale Schadstoffkonzentration berechnet: ein Wert für den Einsatz mit Gasfilter, ein zweiter Wert für den Einsatz mit Partikelfilter. Es muss der niedrigere Wert von beiden berücksichtigt werden, d. h. die maximale Schadstoffkonzentration für Chlordioxid bei Einsatz einer Vollmaske mit Kombinationsfilter B P2 (wie in unserem Beispiel) ist 1,5 ppm Chlordioxid.

 

5. Wie finde ich den richtigen Filter?


Schadstoffe können in unterschiedlichen Formen auftreten, als Aerosole (Partikel oder Tröpfchen), als
Gase oder Dämpfe. Je nach Form müssen Sie sich gegen eine dieser Arten oder ein Gemisch daraus
schützen. 

Aerosole (Partikel):           Stäube, Fasern, Rauche, Mikroorganismen (z. B. Viren, Bakterien, Pilze
                                            und ihre Sporen) und Nebel

Gasförmige Stoffe:            Gase oder Dämpfe

Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Farbkodierung der Filter nach EN 14387. Diese hilft Ihnen den richtigen Filtertyp auszuwählen, der für den Einsatz gegen Ihren Schadstoff notwendig ist.

 

Filter Farbkennung Atemschutz Filter Dräger





Unterscheidung von Filtertypen 

Filter sind in unterschiedliche Klassen nach ihrer Kapazität (Gasfilter) oder ihrer Effizienz (Partikelfilter) eingeteilt (Tabelle 3).

Gasfilter der Klasse 2 dürfen bei höheren Konzentrationen oder für längere Zeit eingesetzt werden
als Klasse 1-Filter.

Die Klasse von Partikelfiltern zeigt an, wie effizient der Filter Partikel aus der Umgebungsluft herausfiltert (Klasse 1: 80%, Kl. 2: 94%, Kl. 3: 99,95%).

Unterscheidung von Filtertypen


Dieser Filter ist geeignet für den Einsatz gegen: 

A -> Gase und Dämpfe von organischen Verbindungen mit einem Siedepunkt größer als 65°C bis Konzentrationen der Filterklasse 2 (max. 5000 ppm) und

B -> Gase und Dämpfe von anorganischen Stoffen wie Chlor, Schwefelwasserstoff und Blausäure bis
Konzentrationen der Filterklasse 2 (max. 5000 ppm) und

P -> Partikel bis Konzentrationen der Filterklasse 3.

 

6. Beachten Sie im Einsatz unbedingt folgende Hinweise:


Benutzen Sie nie ein Filtergerät . . .

• in Umgebungen mit einem zu geringen Sauerstoffgehalt (lokale Vorschriften sind zu beachten,
  in Deutschland z. B. bei weniger als 17 Vol.% O2)
• in schlecht belüfteten Räumen oder Behältern wie Tanks, kleinen Räumen, Tunneln, Schiffen
• in Umgebungen, in denen die Konzentrationen der Schadstoffe unbekannt sind oder unmittelbar
  gefährlich für Leben oder Gesundheit (IDLH)
• bei Schadstoffkonzentrationen größer als die maximal erlaubte Konzentration und/oder
 die Filterleistung
• wenn der Schadstoff schlechte oder gar keine Warneigenschaften (Geruch, Geschmack, Irritationen)
  hat, wie z. B. Anilin, Benzol, Kohlenstoffmonoxid und Ozon.

Verlassen Sie sofort den Bereich, wenn . . .

• der Atemwiderstand spürbar erhöht ist
• Schwindelgefühl oder Schmerzen auftreten
• Reiz-, Geschmacks- oder Geruchserscheinungen auftreten
• das Filtergerät beschädigt ist

Stellen Sie sicher, dass . . .

• das Filtergerät optimal passt und richtig angelegt ist
• Sie einen Kombinationsfilter einsetzen, wenn gasförmige und partikelförmige Schadstoffe auftreten
  (können)

 

 

7. Wie lange hält ein Filter?


Wie lange ein Filter hält, hängt von seiner Filterklasse und den Umgebungsbedingungen ab.

Einflussfaktoren auf die Gebrauchsdauer sind:
• Konzentration der Schadstoffe in der Umgebungsluft
• Zusammensetzung der Schadstoffe
• Luftfeuchtigkeit
• Temperatur
• Luftverbrauch des Nutzers

Da die Gebrauchsdauer von vielen Faktoren beeinflusst wird, ist es nicht möglich, eine geschätzte
Gebrauchsdauer anzugeben. Lokale oder firmeninterne Vorschriften sind zu beachten.

Das Gebrauchsende eines Filters erkennen Sie daran, dass . . .

• bei Gasfiltern ein spürbarer Geschmack/Geruch auftritt
• bei Partikelfiltern der Atemwiderstand merklich zunimmt
• bei Kombinationsfiltern eines der beiden genannten Merkmale auftritt

Beispiele von Schadstoffen, ihre Grenzwerte (hier AGWs gültig für Deutschland) und ihre Filterempfehlungen finden Sie in der Druckversion des Dräger Filter Selection Guide.
Diesen finden Sie im Download-Bereich dieser Seite.

Für weitere Informationen und eine größere Auswahl an Schadstoffen besuchen Sie bitte die Dräger Gefahrstoffdatenbank Dräger VOICE im Internet (www.draeger.com/voice).


Die Printform dieses Leitfadens finden Sie im Downloadbereich dieser Seite.
Copyright des obigen Textes: Dräger Safety AG & Co. KGaA
 

 

 

 

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